Über die Gästeabende

Sie haben also ein Erstgespräch bereits geführt und können sich grundsätzlich vorstellen, eine Mitgliedschaft in dieser altehrwürdigen Institution anzustreben. Prima, dann haben Sie sozusagen „Hürde 1“ erfolgreich genommen.

Ihnen gefallen die Menschen, die so unglaublich freundlich sind im Umgang untereinander und mit Gästen, und die so offen über die ach so „geheimnisvolle“ Bruderschaft mit Ihnen geplaudert haben. Umgekehrt gefallen Sie auch den Brüdern. Man möchte sich gerne gegenseitig näher kennenlernen. Top!

Auf zu „Hürde 2“! Zum Gästeabend der Loge werden Sie schriftlich eingeladen. Jede Loge handhabt den Ablauf von Ort und Zeit anders. Wir von der Festen Burg werden Sie wieder ins Logenhaus einladen, diesmal in einen unserer Besprechungsräume. Einen solchen sehen Sie auf dem großen Foto.

Zum Gästeabend erscheinen mehrere Brüder der Loge (nicht alle, das kriegt man meistens nicht hin) sowie mehrere Interessenten, so wie Sie. Diesmal allerdings kommen alle, Freimaurer wie Gäste, ohne Begleitung.

Sie erleben nun „live“ einen typischen freimaurerischen Gesprächsabend, mit dem einzigen Unterschied, dass halt auch Nicht-Freimaurer mit am Tisch sitzen und wir daher nicht über Interna reden. Aber es ist alles echt, nichts ist für die Gäste gestellt oder eingeübt oder arrangiert, abgesehen von den Brezeln und den Getränken auf dem Tisch.

Ein Bruder wird ein Thema vorbereitet haben, das nicht unbedingt etwas mit Freimaurerei zu tun haben muss. Wir hatten schon mal beispielsweise „Künstliche Intelligenz“, „Ägyptologie“ und sogar „Glockengießen“ … je nach Expertise des jeweils vortragenden Bruders. Darüber wird er ein kurzes Referat von ca. 10-15 Minuten halten. Dann gibt er das Thema zur Diskussion frei und moderiert die Runde.

Und dann wird halt ca. eine Stunde lang diskutiert (manchmal werden auch zwei daraus, wenn alle einverstanden sind). Niemand muss sich zu Wort melden, der das nicht möchte. Eines ist auf jeden Fall selbstverständlich: Kein Wort, das am Tisch gesprochen wird, dringt nach Außen. Vertraulichkeit ist die Stärke der Freimaurerei seit Jahrhunderten.

Die Zeit verfliegt regelrecht. Irgendwann beendet der Moderator die Diskussion. Regelmäßig sind alle erstaunt, wie interessant das Thema doch war. Meistens aber ist es nicht das Thema, das die Gäste besonders beeindruckt hat. Sondern es ist die „gesittete“ Art der Diskussion. Den Anderen ausreden zu lassen, das Eingehen auf die Argumente des Anderen, das ist bei uns selbstverständlich. Und dass man frei sprechen kann, wirklich frei, keinem Zeitgeist unterworfen. Für viele Interessenten ist das eine ganz neue, beeindruckende Erfahrung.

Wem die Runde gefallen hat, der bekundet sein Interesse, zum nächsten Gästeabend wieder eingeladen zu werden. Die Chancen dafür sind gut.

Und wie geht es dann weiter? Wir sagen aus Erfahrung, bei drei Gästeabenden sollte man mindestens dabei gewesen sein, bevor man einen Aufnahmeantrag stellen kann. Wir sprechen vom Übergang vom Interessenten zum Suchenden. Allerdings, es braucht noch etwas Geduld, es geht immerhin um Beitritt zu einer der ältesten, ehrwürdigsten und am weitesten verbreiteten Institutionen der Welt, das geht nicht gar so schnell.


Bildquelle:
• Adlerzimmer, Autor: Eigene Aufnahme

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